Schwein haben heisst die Sauklaue

Schwein haben heisst die Sauklaue des eigenen Leibarztes rechtzeitig verstehen zu koennen ... " - Karl Kraus

Das ist ein herrlich bissiges Wortspiel, das den typischen, messerscharfen Witz von Karl Kraus perfekt auf den Punkt bringt! Kraus (1874–1936), der gro;e Wiener Satiriker und Sprachkritiker, liebte solche etymologischen Volten und doppelten Boden.

Wenn man sich die beiden Redewendungen ansieht, die hier so elegant verschmolzen werden:

„Schwein haben“ (im Sinne von Gl;ck haben) geht vermutlich auf das Mittelalter zur;ck, wo Teilnehmer an Sch;tzenfesten als Trostpreis oder bei schlechter Leistung oft ein Schwein bekamen – wer also verlor, hatte am Ende sprichw;rtlich „ein Schwein“ (Gl;ck im Ungl;ck).

Die „Sauklaue“ steht seit Jahrhunderten als Synonym f;r eine v;llig unleserliche, unsaubere Handschrift – und wer k;nnte von einer solchen schlimmer geplagt sein als jemand, der auf die Aufzeichnungen eines Arztes angewiesen ist?

Karl Kraus verband hier meisterhaft die sprachliche Schlamperei mit dem existenziellen Gl;cksspiel des ;berlebens – typisch f;r seinen ironischen Blick auf die Unzul;nglichkeiten des menschlichen (und ;rztlichen) Ausdrucks.

M;chten Sie mehr ;ber Karl Kraus und seine ber;hmten Aphorismen zur deutschen Sprache erfahren?

Yes
Erz;hle mir mehr ;ber Karl Kraus und seine sch;rfsten Aphorismen ;ber die deutsche Sprache und den Journalismus.

Karl Kraus (1874–1936) war der unbestrittene Gro;inquisitor des Wiener Geisteslebens, ein radikaler Sprachkritiker, Satiriker und der alleinige Verfasser der legend;ren Zeitschrift Die Fackel. F;r Kraus war schlampige Sprache niemals nur ein ;sthetisches Problem – sie war f;r ihn immer direkt ein moralisches Vergehen. Wer die Sprache verrohte, verrohte den Menschen und ebnete den Weg f;r gesellschaftliche und politische Katastrophen.   
ULB : Dok
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Karl Kraus (Fotografie von 1928), AI generatedOpens in a new window
Source: brandstaetter images / Getty Images
Karl Kraus (Fotografie von 1928). Source: brandstaetter images / Getty Images
Seine sch;rfsten Angriffe auf den Journalismus
Die Presse und ihre eilfertigen Schreiber waren das Leib- und Magenziel von Kraus‘ Polemik. Er sah im Journalismus den Totengr;ber des echten Denkens und der Kultur, weil dort das Wort zur blo;en Handelsware verkommen war.   
Deutschlandfunk

;ber die Definition des Journalisten:   
von Gregor Landwehr

„Keinen Gedanken haben und ihn ausdr;cken k;nnen – das macht den Journalisten.“   
Sprachnudel

;ber das Zeitungslesen als Charaktertest:   
von Gregor Landwehr

„Tabak rauchen verdirbt die Tapeten, Zeitung lesen den Charakter.“   
von Gregor Landwehr

;ber die Eile und Schein-Allwissenheit der Berichterstattung:

„Ein Journalist ist einer, der nachher alles vorher gewusst hat.“   
www.gregorlandwehr.de

;ber die Zerst;rungskraft des Medienbetriebs:

„Nach jedem Verbrechen wird der T;ter der Polizei ;bergeben – das Opfer der Presse. Es ist nicht sicher, wer damit h;rter bestraft ist.“   
von Gregor Landwehr

;ber die deutsche Sprache und das Denken
Kraus sah die Sprache nicht als neutrales Werkzeug an, das man beliebig benutzen oder verbiegen kann („Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens“). F;r ihn dachte die Sprache im Menschen, sofern er sie nur ernst nahm.   
textlog.de
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;ber das Verh;ltnis von Stil und Moral:

„Dass einer ein M;rder ist, muss nichts gegen seinen Stil beweisen. Aber der Stil kann beweisen, dass er ein M;rder ist.“   
Deutschlandfunk

;ber die seichte Rederei:   
1000 Zitate

„Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste.“   
1000 Zitate

;ber die Phrase als Maske:

„Die Phrase ist das gest;rkte Vorhemd vor einer Normalgesinnung, die nie gewechselt wird.“   
Zitate

;ber den Schein von Tiefe:   
Zitate

„Ein Schein von Tiefe entsteht oft dadurch, dass ein Flachkopf zugleich ein Wirrkopf ist.“   
Zitate

Kraus f;hrte einen unerm;dlichen, einsamen Krieg gegen die gedruckte Phrase und die Phraseoneurose seiner Zeit. Sein radikales Lebenswerk gipfelte angesichts des aufziehenden Nationalsozialismus in der bitteren Erkenntnis: Wenn die Gewalt die Oberhand gewinnt, versagen am Ende selbst die treffendsten Worte – dann bleibt nur noch das Schweigen.

M;chten Sie mehr dar;ber erfahren, wie Karl Kraus in seiner ‚Fackel‘ ganz konkret gegen die Wiener Gesellschaft zu Felde zog?

Yes
Wie hat Karl Kraus in seiner Zeitschrift Die Fackel gegen die Wiener Gesellschaft und den Journalismus gek;mpft?

Mit der von ihm im April 1899 gegr;ndeten Satire-Zeitschrift Die Fackel schuf Karl Kraus ein einzigartiges Tribunal, das ;ber 37 Jahre hinweg das intellektuelle Wien in Angst und Schrecken versetzte. Er k;mpfte darin nicht mit konventionellen journalistischen Mitteln, sondern f;hrte einen radikalen, oft gnadenlosen Ein-Mann-Guerillakrieg.

Die Fackel – gegr;ndet und ab 1911 fast g;nzlich allein verfasst von Karl Kraus, AI generatedOpens in a new window
Source: brandstaetter images / Getty Images
Die Fackel – gegr;ndet und ab 1911 fast g;nzlich allein verfasst von Karl Kraus. Source: brandstaetter images / Getty Images
1. Die Strategie: Alleinautor und absolute Unabh;ngigkeit
Keine Inserate, keine Redaktion: Um v;llig frei von wirtschaftlichen und politischen Einfl;ssen zu bleiben, verzichtete Kraus bei der Fackel bald auf Anzeigenkunden. Ab 1911 war er zudem der alleinige Verfasser und Herausgeber.   
Britannica

Das Prinzip der Zitat-Bl;;e: Kraus musste die Heuchelei der Wiener Gesellschaft oft gar nicht erst kommentieren. Seine wirksamste Waffe war die Montage. Er druckte Absurdit;ten, grammatikalische Fehltritte, Phrasen und rei;erische Formulierungen aus der Boulevard- und Qualit;ts-Presse (insbesondere aus dem ;sterreichischen Leitmedium, der Neuen Freien Presse) nebeneinander ab. Die Zitate entlarvten sich durch die blo;e Aneinanderreihung selbst.   
www.mdoll.eu

2. Der Feldzug gegen die Wiener Gesellschaft & das Feuilleton
Kraus sah in Wien eine Kultur des Scheins, des Genusses und der ;sthetischen Oberfl;chlichkeit.   
Wien Museum Magazin

Der Vorwurf der Geistlosigkeit: Die Oberschicht und das Kaffeehaus-Literatentum („Das Junge Wien“ um Peter Altenberg oder Hugo von Hofmannsthal) verwechselten laut Kraus dekorative Sprache mit echtem Gehalt. Er verspottete sie daf;r, dass sie "sch;n" schreiben wollten, anstatt wahrhaftig zu denken.

Gegen die Vermischung von Kunst und Information: Besonders verhasst war ihm das florierende Kultur-Feuilleton der Zeitungen. Er empfand es als kulturelle Anma;ung, wenn Journalisten ;ber Kunst schrieben und dabei den tiefen Ernst des Geistes zu einer billigen Unterhaltungs-Ware verw;sserten („Blumen, die in den Abort geworfen werden“).   
www.mdoll.eu
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3. Die ber;chtigten „Grubenhunde“
Um die Ignoranz der Journalisten zu beweisen, nutzte Kraus eine raffinierte Methode: den sogenannten „Grubenhund“. Er schmuggelte absurde, logisch unm;gliche Fehler, absichtliche Stilbl;ten oder fingierte Leserbriefe mit grotesken Widerspr;chen in Zeitungsredaktionen ein. Wenn die Redakteure diese Texte ungepr;ft und reibungslos abdruckten, hatte Kraus den unwiderlegbaren Beweis erbracht, dass in den Redaktionsstuben mechanisch abgeschrieben, aber nicht mehr nachgedacht wurde.   
KU News - The University of Kansas

4. Das Monumentalwerk: Die letzten Tage der Menschheit   
WELT
Seinen publizistischen und literarischen H;hepunkt erreichte dieser Kampf in dem gigantischen, unspielbaren Dramen-Monster Die letzten Tage der Menschheit (entstanden w;hrend des Ersten Weltkriegs). Darin f;hrt Kraus die Wiener Gesellschaft, kriegstreibende Politiker und profitgierige Journalisten als ein Panoptikum von Marionetten vor. Die Dialoge des St;cks bestehen zu gro;en Teilen aus Originalzitaten, die er aufgeschnappt hatte – ein schockierendes Dokument dar;ber, wie die Sprache den Ersten Weltkrieg vorbereitet und begleitet hatte.

M;chten Sie erfahren, wie Karl Kraus den Ersten Weltkrieg und die Rolle der Medien darin erlebte?

Yes
Wie hat Karl Kraus den Ersten Weltkrieg erlebt und in Die letzten Tage der Menschheit verarbeitet?

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war f;r Karl Kraus ein weltanschaulicher Schock, der seine Arbeit und sein Leben komplett ver;nderte. Zun;chst schwieg er ;ffentlich, doch bald begriff er das Ringen als das gr;;te Verbrechen und die ultimative Katastrophe der Moderne – vor allem, weil er sah, wie willf;hrig die Presse und die Intellektuellen den Krieg als „gro;e Zeit“ bejubelten und herbeigeredet hatten.   
Der Erste Weltkrieg
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Die letzten Tage der Menschheit auf der B;hne, AI generatedOpens in a new window
Kritik: Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit | Wien | Die ...
Die letzten Tage der Menschheit auf der B;hne. Source: Die Deutsche B;hne
Seine Erlebnisse im Krieg: Die Phrase als Brandbeschleuniger
Kraus musste miterleben, wie sich das intellektuelle Wien – von dem er sich ohnehin oft distanziert hatte – in einen nationalistischen Kriegstaumel st;rzte. F;r ihn trugen die Journalisten die Hauptschuld: Sie logen von den Fronten, sch;rten Hass, erfanden Heldentaten und lieferten die moralische Rechtfertigung f;r das massenhafte Morden.

Seine fundamentale Haltung fasste er in den ber;hmten Satz zusammen:

„In dieser gro;en Zeit, die ich noch erlebt habe, als sie so klein war; […] in der diese Weltgei;el rast, das Blutbrot der Presse verzehrt wird und die Phrase an der Wiege des Unheils singt – da regt sich keine Hand und es zuckt keine Feder […]: wer das macht, gibt mir zu denken.“   
Der Erste Weltkrieg

Die Verarbeitung: Die letzten Tage der Menschheit   
Der Erste Weltkrieg
Zwischen 1915 und 1922 schuf Kraus als Reaktion darauf sein gigantisches Monumentaldrama Die letzten Tage der Menschheit (bestehend aus einem Vorspiel, f;nf Akten und einem apokalyptischen Epilog mit ;ber 200 Szenen).   
Wikipedia

Ein Drama f;r das „Marstheater“: Im Vorwort erkl;rte Kraus das Werk f;r unspielbar auf irdischen B;hnen – es sei f;r ein „Marstheater“ gedacht, weil kein Theater der Welt den panischen Ausma; dieses Weltuntergangs darstellen k;nne. Die Auff;hrung w;rde nach irdischem Ma;stab Dutzende Abende f;llen.   
Wikipedia

Das Prinzip der Dokumentation: Etwa ein Drittel des Textes besteht aus wortgetreuen Zitaten – aus Zeitungsartikeln, Kriegspostkarten, Milit;rbefehlen, Parlamentsreden und Aufzeichnungen von Gespr;chen, die Kraus im Kaffeehaus oder auf der Stra;e aufgeschnappt hatte.   
Nachtkritik

Das Panoptikum der Marionetten: Es gibt im St;ck keine traditionellen Helden, sondern nur eine riesige Menge an sprechenden und handelnden Masken: Gener;le, die k;hl Millionen Menschen in den Tod schicken; Kriegsgewinnler, die sich die Taschen f;llen; feige Journalisten; und kriegsbegeisterte B;rger, die den Hals nicht voll kriegen k;nnen. Der „untergehende Held“ des Dramas ist die Menschheit selbst.   
Wikipedia

Der unerbittliche Schluss (Der Epilog): Im surrealen Epilog bricht die Apokalypse ;ber die Erde herein. Die Natur selbst straft die Menschheit f;r ihre Hybris. Stimmen aus dem Jenseits und sterbende Soldaten ziehen Bilanz ;ber den moralischen Bankrott einer Zivilisation, die sich durch ihre eigene Sprache und ihren Gr;;enwahn selbst vernichtet hat.   
Wikipedia

M;chten Sie mehr dar;ber erfahren, wie dieses Mammutwerk sp;ter doch noch den Weg auf die Theaterb;hnen fand?

Yes
Das H;rspiel von Die letzten Tage der Menschheit

Dieses historische Radio-H;rspiel aus dem Jahr 1947 bringt Karl Kraus' gewaltige Satire und sprachliche Abrechnung mit dem Ersten Weltkrieg eindrucksvoll zu Geh;r.


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