Das Lied von Clontarf - Prolog -
Der Rasen spannt sich weich und schwer,
Der Eichenhain steht schwarz und traut,
Die Linde duftet rings umher.
Das alte Mauerwerk zerfaellt,
Der Riss durch roten Backstein zieht;
Der Grabstein, tief im Astgezelt,
Vom finstern Laub verborgen liegt.
Und wenn dein Geist im Wirtshaus nicht
Versoffen ward bei Trank und Spiel,
Dann meide, eh der Morgen bricht,
Die Suempfe dort im Nebelziel.
…
Ein trunkner Wandrer zieht dahin,
Und singt von Liebe, Schmerz und Glueck;
Bei jedem Schritt ein Grab vor ihm,
Ein Totenacker Stueck um Stueck.
Ein gruenes Licht im Augenschein
Flackert aus hohlen Schaedeln matt —
Fuehrt ihn ein Engel durch den Hain,
Der still den armen Zecher hat?
Doch ueber ihm ein Schatten schwebt,
Ein Geist, vom Mondenschein erhellt;
Rotlockig, bleich, vom Tod umweht,
Im Leichentuch der alten Welt.
…
„Ich ging den Friedhof ganz entlang —
Welch Missgeschick in dieser Nacht!
Und dieser Narr, der voll vom Trank,
Hat solchen Laerm hierher gebracht!“
Ich zog den Schleier um mich dicht,
Denn kalt durchdrang die Nacht mein Kleid.
Und weiter hielt ich Totenwacht
In dieser dunklen Einsamkeit.
Mein bleiches Antlitz wandte sich
Zu Graebern in der stummen Ruh;
Da fror mein Herz — und schmerzlich wich
Der Schlaf, den ich bewachte, zu.
Wer wagt es, meinen Traum zu st;ren,
Wer weckt den Geist aus dunkler Zeit?
Da sah ich ihn bei mir schon h;ren —
Den Zecher in der Finsternis weit.
Er stand noch auf den Beinen kaum,
Doch hielt er sich mit letzter Kraft:
„Wen suchst du hier im Totenraum?
Geh heim, die Nacht hat Macht geschafft.“
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