Liliputins Was zum Teufel sind die?

Liliputins: Was zum Teufel sind die?

"Der Aphorismus deckt sich nie mit der Wahrheit; er ist entweder eine halbe Wahrheit oder anderthalb."
Karl Kraus

Liliputins sind mein neuer, bahnbrechender Stil postmodernen Erzaehlens, eine Mischung aus Spott, Sarkasmus, Paradox und Hohn. Ich habe diesen Begriff gepraegt, eine Verschmelzung des Adjektivs „liliputanisch“ (was „sehr klein“ bedeutet) und dem englischen Aequivalent der deutschen Redewendung „jemandem Worte in den Mund legen“ entspricht.

Inspiriert von Soren Kierkegaards Idee, dass das Leben nur im Nachhinein verstanden werden kann, lege ich grossen historischen Persoenlichkeiten und beruehmten fiktiven Charakteren bewusst und woertlich schnippische, erfundene Zitate und verdrehte Sprueche in den Mund. Es sind Worte, die sie nie gesagt haben, aber vielleicht haetten sagen koennen.

Ich bin wie ein Kuckuck, der seine Eier in ein fremdes Nest legt, indem ich meine Worte (Liliputins) in den Mund anderer Leute (Liliputinisten) lege.

Kurz gesagt, Liliputins sind meine eigene Machart anachronistischer und revisionistischer Schoepfungen – absichtlich in Form von falschen Zitaten, gefaelschten Ein-Satz-Aphorismen, Maximen, Mini-Geschichten, Anekdoten, Parabeln, Witzen und geistreichen Bemerkungen verfasst. Jedes dieser Werke enthaelt ein gewisses Mass an Wahrheit, die ich anderen zuschreibe, um es auf einen Punkt zu bringen. Es liegt am Wissen, der Intelligenz, der Lebenserfahrung und den Ueberzeugungen des Lesers, die Wahrheit von der Fiktion zu trennen.

Liliputins komprimieren die Zeit, indem sie Gegenwart und Vergangenheit auf Kollisionskurs bringen und die Grenzen zwischen Lebenden und Toten, Dingen und Menschen, Ernsthaftigkeit und Spott, sowie Realitaet und Fantasie verwischen. Sie sind auch ein grossartiges Vehikel fuer Zeitreisende und Liebhaber alternativer Geschichte.

Liliputins und Paradoxa sind tief miteinander verbunden, da sie ein gemeinsames Ziel haben: eine tiefgruendige Wahrheit praegnant und einpraegsam auszudruecken. Wie Aphorismen sind auch Liliputins per Definition kurze, lapidare Aussagen ueber eine allgemeine Wahrheit oder Beobachtung. Paradoxa sind bei der Gestaltung von Liliputins besonders wichtig, da sie die Aussage wirkungsvoll und zum Nachdenken anregend machen.

Die Technik, ein Liliputin zu erschaffen, ist ziemlich einfach.

Zuerst kreieren Sie einen originellen Gedanken, der nicht laenger als zwei Zeilen ist, und ein Wortspiel, einen Kalauer, ein Paradoxon, ein falsches Zitat oder eine Gegenueberstellung (oder eine Kombination davon) verwendet.

Zweitens finden Sie eine weltbekannte reale Person (lebend oder tot) oder eine fiktive Figur aus der Weltliteratur oder Geschichte, die eine solche Zeile plausibel gesagt haben koennte, und legen ihr das Liliputin in den Mund.

Bingo!

Zusaetzlich darf man die noetigen Randglossen nicht vergessen, die dem Leser auf die Spruenge helfen, den vollen Sinn des jeweiligen Kuckucks-Zitats zu verstehen.

Liliputins sind zeitgemaess und doch altmodisch, satirisch und doch ironisch, und nachdenklich stimmend und doch verblueffend. Sie koennen urkomisch oder traurig, gemein oder freundlich, schockierend oder empoerend und hoechst umstritten sein. Aber sie sind niemals langweilig und immer Augen oeffnend und kurz – wie das Leben selbst.

Wie Erma Bombeck einmal sagte: „Es gibt eine schmale Grenze, die Lachen und Schmerz, Komoedie und Tragoedie, Humor und Leid trennt.“

Ich hoffe aufrichtig, dass ich diese Grenze in meinem Buch nicht ueberschritten habe.

Oscar Wilde sagte einmal: „Wenn du den Leuten die Wahrheit sagen willst, bringe sie zum Lachen, sonst werden sie dich umbringen.“

Also bitte, toetet nicht die Spottdrossel – oder in meinem Fall den Kuckuck!

Alles Gute!

Ich hoffe, Sie werden so viel Spass haben, wie Sie nur ertragen koennen!

Yuri V. Slobodenyuk alias Yury Lobo

Aphoristiker/Satiriker


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