Сосулька. Der Eiszapf

стихи Ганса Сакса
перевод Валерия Костюка

Сосулька.

1.
В Венеции один купец
Задержан был делами,
Но вот вернулся наконец
В четвёртый год с тюками.
С богатым в дом наваром
Спешит, от счастья пьян,
Но видит - в доме старом
Встречает мальчуган.
Двухлетний здесь ребёнок
Стоит, прильнув к жене,
И, щурясь чуть спросонок,
Доволен всем вполне.
«Что это за мальчонка?» -
Вскричал невольно муж.
Жена смеялась звонко:
«Поверь, и то - не чушь! -
Скучала как-то ночью,
Без сна я у окна.
И тут сосулькой сочной
Была привлечена.
Её я пососала
В охотку, как могла,
И тем - не лгу нимало -
Беременной была!
2.
Вот так от звонкой льдинки
Я сына родила -
Сказала без запинки -
Чудесные дела!»
«Волшебные сосульки -
Сказал купец шутя -
И вот уже из люльки
Встречает вас дитя!»
Он понял тут конечно,
Жены неверной ложь,
Подумавши беспечно:
«Меня не проведёшь.»
Четырнадцать мальчишке,
Пятнадцатый идёт.
Бездельничать - то слишком!
Работа скоро ждёт.
«Довольно уж. Негоже
Слоняться тут и там.
Пора парнишку всё же
Пристроить и к делам, -
Сказал купец, - я вскоре
Мальчишку прихвачу
И торговать за морем
Товаром научу.»
Ей было не по нраву
Решение купца,
Но, коль отец - по праву
За море взял мальца.
3.
Там продал он мальчишку
Турецкому купцу,
Печалясь тем не слишком:
«Даст дело молодцу!»
Когда вернулся снова
Без парня он один.
Супруга черноброва
Вскричала:«Где же сын!
Где милый мой ребёнок?
Что сталось с ним в пути?
Был смех его так звонок!
Где мне его найти!?»
«Ах, верная супруга,
Печальны те дела -
От льдинки, не от друга
Ты сына родила!
Под жарким солнцем юга
Лежал торговый путь.
Опасность ту, подруга,
Прими и не забудь.
Растаял он как льдинка,
Как был он и зачат.
Печальная картинка -
Не видеть нам внучат!
Да, зря от звонкой льдинки
Ты сына родила -
Сказал он без запинки -
Чудесны те дела!»
Кто дом свой покидает
На годы, месяц, дни,
Скажи жене, пусть знает:
«Сосульку в рот - ни-ни!»
2026

* * *

Der Eiszapf
1
Zu Venedig ein Kaufmann sass,
Der u:ber Meer gefahren waz
Nach Kaufmannschaft, wie ich es las;
Im vierten Jahr
Kam er mit reicher Habe.
Als er kam in das Hause sein.
Sah laufen er im Saal allein
Ein zwieja:hriges Kna:blein klein
In weissem Ilaar,
Er sprach: «Wes ist der Knabe?»
Die Frau sprach: «Ho:r! In einer Nacht
Lag ich und war ganz munter
Und so herzlich an dich gedacht,
Ein Eiszapfen herunter
Ass ich vom Dach; von des Natur
Ich schwanger wur.
Ist das nicht ein gross Wunder?
2
Schau an, mein Mann, von diesem Eis
Gebar ich dieses Kna:blein weiss.»
Der Mann vermerkt den List mit Fleiss
Und wohl verstand,
Dass sie ihr Eh ha:tt brachen.
Ta:t doch, als nahm er sein nicht wahr.
Als der Knab alt war vierzehn Jahr,
Sprach er: «Mein Weib, sieh an, ich fahr
In fremde Land
Drei Jahr und etlich Wochen.
Den Knaben will ich nehmen mit,
Dass er mein Handel lehre.”
Dem Weib gefiel der Anschlag nit
Und wehret dem Mann sehre.
Zu widerbringen er verhiess;
Da sie ihn liess,
Da fuhren s’u:ber Meere.
3
Da verkauft er den Knaben frei
Einem Kaufmann in die Tu:rkei,
Fuhr wieder heim. Die Frau, die schrei:
«Wo hast mein Kind
Gelassen auf der Reise?»
Er antwort’t: «Da wir fuhren hin,
Die Sonn so u:berhitzig schien
Auf deinen Sohn und hat auch ihn
Zerschmelzet g’schwind
Zu Wasser wie ein Eise.»
Die Frau den List gar wohl verstund,
Dacht an ihr falsch Fussstapfen;
Stillschweigend sie die Wort verschlundt,
Recht wie ein Hund ein Krapfen. —
Darum, wer weit ausreist, der schau
Da; ihm seine Frau
Dieweil ess kein Eiszapfen.
1536

Hans Sachs (1494-1576)

* * *

Der Eiszapf
1
Zu Venedig ein Kaufmann sass,
Der u:ber Meer gefahren waz
Nach Kaufmannschaft, wie ich es las;
Im vierten Jahr
Kam er mit reicher Habe.
Als er kam in das Hause sein.
Sah laufen er im Saal allein
Ein zwieja:hriges Kna:blein klein
In weissem Ilaar,
Er sprach: «Wes ist der Knabe?»
Die Frau sprach: «Ho:r! In einer Nacht
Lag ich und war ganz munter
Und so herzlich an dich gedacht,
Ein Eiszapfen herunter
Ass ich vom Dach; von des Natur
Ich schwanger wur.
Ist das nicht ein gross Wunder?
2
Schau an, mein Mann, von diesem Eis
Gebar ich dieses Kna:blein weiss.»
Der Mann vermerkt den List mit Fleiss
Und wohl verstand,
Dass sie ihr Eh ha:tt brachen.
Ta:t doch, als nahm er sein nicht wahr.
Als der Knab alt war vierzehn Jahr,
Sprach er: «Mein Weib, sieh an, ich fahr
In fremde Land
Drei Jahr und etlich Wochen.
Den Knaben will ich nehmen mit,
Dass er mein Handel lehre.”
Dem Weib gefiel der Anschlag nit
Und wehret dem Mann sehre.
Zu widerbringen er verhiess;
Da sie ihn liess,
Da fuhren s’u:ber Meere.
3
Da verkauft er den Knaben frei
Einem Kaufmann in die Tu:rkei,
Fuhr wieder heim. Die Frau, die schrei:
«Wo hast mein Kind
Gelassen auf der Reise?»
Er antwort’t: «Da wir fuhren hin,
Die Sonn so u:berhitzig schien
Auf deinen Sohn und hat auch ihn
Zerschmelzet g’schwind
Zu Wasser wie ein Eise.»
Die Frau den List gar wohl verstund,
Dacht an ihr falsch Fussstapfen;
Stillschweigend sie die Wort verschlundt,
Recht wie ein Hund ein Krapfen. —
Darum, wer weit ausreist, der schau
Da; ihm seine Frau
Dieweil ess kein Eiszapfen.
1536

Hans Sachs (1494-1576)


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