Sonnenuntergangs- Aquarelle

Wir sind nicht jung, wir sind schon ziemlich alt.
Wenn Einsamkeit mit fernen Glocken hallt,
Wenn Sinnlosigkeit die Zeit in Erde drückt,
War’n wir vom Muskat-Abendrot entzückt.

Wir trafen uns im Park, im jungen April,
Wo Spatzenzwitschern kaum noch schweigen will.
Wir gingen Pfade, bunt wie Aquarell,
Das Glück war nah, mal trüb und mal so hell.

Dann schriebst du mir, so ausweichend und hart:
„Du bist zu alt, trotz deiner jungen Art.
Auch ich bin nicht mehr jung, doch jünger noch,
Du bist zwar gut – doch alt bist du eben doch.

Du bist gesund, hast Talente aller Art,
Lern noch Chinesisch, sei für Gott bewahrt!
Du triffst bestimmt, daran hab ich kein’ Zweifel,
Wen Bess’res noch an einem Aprilabend.“

Und ich? Ich brauche keine „Bessere“ mehr.
Mit dir zu geh’n, das wünscht’ ich mir so sehr.
Noch kurz im Aquarell, bevor das Licht vergeht,
Bevor mein letzter Vorhang leise weht.

2011


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