Meine Margarete

Der Wissenschaft getürmtes Monument,
Das Zittern, das Erkenntnis nur uns gönnt,
Der Meinungen kindisch flüchtig Flittern,
Der Symposien eitles Wortgeklimper –
Das alles, ach, berührt mich nimmermehr.
Was schert mich nun der Zeiten leer Gewimmel?

Es reift kein Glück, kein Grün in dieser Wüste.
Die Welt wird fremder mir, je mehr ich sie begrüßte.
So schleicht das Jahr dahin in ödem Gang,
Der einz’ge Freund: der Becher, kühl und schlang.

Da trittst du ein! O welch ein Licht erglüht!
Mein Margarete! Dessen Hauch mich sprüht
Mit Leben, Schmerz und süßer Liebespein!
Nun mag die Welt in tausend Scherben sein!

Ich rufe nicht zu Gott, nicht zu den Teufeln,
Die nur in alten Sagen schrecklich heucheln.
Ich rufe dich! Nur dich, du Wesen, licht und klar –
Ob diese Liebe Sünde? Eins ist wahr:

In deinem Blick fand ich der Erde Kern,
Und fühlte tief: dies Eine ist nicht fern.
Der Abgrund lockt, die Ewigkeit wird mein,
Könnt' ich auf ewig dein Gefährte sein!

Doch jedes Ding hat seine Zeit, sein Ziel.
Das Schicksal spielt sein ernstes, stilles Spiel.
Gepriesen sei, was uns in Flammen zwang,
Der Schmerz, der tief im Herzen sich verschlang,
Und jenes Wort, das nur aus Zweisamkeit
Sich wagt hervor: Ich liebe dich – für alle Zeit!

2010


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