Ich zaehle Schafe

Ich zaehle Schafe: eins, zwei, schlafen.
Dabei will ich mich nur dehnen und morgens frueh fit erwachen.
Eins, und noch mal eins, zwei.
Das Herz schlaegt kaum, so schwach dabei...

Und der Kopf ist voll mit all den Dingen:
Wird das Jahr mir die Befoerderung bringen?
Doch andererseits, wozu der Sinn?
Das Geld ist ein Pshik, nur die Last ist Gewinn.

Dabei ist es eh nur ein halber Lohn,
Fast wie der Rentenzuschuss, der blanke Hohn.
Zeit fuer den Lottosieg, fuer das grosse Glueck,
Und fuer ein gutes Buch, Stueck fuer Stueck.

Die Busse sind voll, man steht dicht an dicht,
Kein Platz fuer die Freiheit, kein Ende in Sicht.
Ueberall wird gehustet, geschnupft und geniest,
Wo jeder den anderen mit Viren begruesst.

Drum fahr ich aufs Neue, bei Wind und bei Kaelte,
Mit dem Fahrrad durch meine eigene Welte.
Zwoelf Monate lang, durch den Frost und das Eis,
Obwohl ich vom Frieren und Froesteln wohl weiss.

Ich erkaelte mich staendig im eisigen Wind,
Wenn die Wangen im Frost ganz gefroren sind.
Doch die doerflichen Wurzeln, sie halten mich fest,
Geben Kraft mir im Norden fuer diesen Test.

Diese Wurzeln reichen tief und weit,
Doch zum Prahlen gibt’s keine Gelegenheit.
Nur die Liebe wird zur schnellen Hilfe nun,
Ich kann keine Berge mehr versetzen, nichts tun.

Doch ich spuere es tief in mir drin, ganz eigen:
Ich kann noch fuer jemanden Nuetzliches zeigen...
Zaehle Schafe: eins, zwei, eins, zwei, schlafen.
Sammle Kraefte, willst du Nuetzliches schaffen.

Sollte man vielleicht bis vier gar zaehlen?
Eins, zwei, drei, vier, fuenf... sich zum Schlafen quaelen.
Man raubt der Natur den Atem und Pracht,
Nur an den eigenen Vorteil wird stets gedacht.

Man vergiftet die Erde, man nutzt sie nur aus,
Und schickt die Rechnung dem Nachbarn ins Haus.
Auf fremde Kosten wird alles zerstoert,
Weil man nur gierig auf sich selber hoert.

Niemand wird’s preisen, nicht mal die Freunde –
Banditentum bleibt eine finstere Suende.
Das kommt uns teuer zu stehen, man sieht:
Dir geschieht auch, was anderen geschieht.

Wo bin ich nur mit den Gedanken gelandet?
Der Morgen graut schon, das Schiff ist gestrandet.
Zaehle Schafe: eins, zwei, schlafen.
Schluss jetzt. Aufstehen. Raus aus dem Hafen.


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