Wiener Schmaeh
Wiener Schmaeh (kurz auch Schmaeh) bezeichnet eine umgangssprachliche Wendung, die eine charakteristisch wienerische Art des Humors in der Kommunikation darstellen soll. Sie bezeichnet keine „Schmaehung“, sondern bezieht sich auf eine allgemeine, in erster Linie sprachliche Umgangsform.
Etymologie und Verwendung
Der Duden leitet das Wort Schmaeh von mittelhochdeutsch sm;he ab, was „Beschimpfung“ oder „ver;chtliche Behandlung“ bedeutet. In der ;sterreichischen Umgangssprache bedeutet Schmaeh sowohl „Kunstgriff“, „Trick“, „Schwindelei“ oder „Unwahrheit“ als auch „verbindliche Freundlichkeit“, „Sprueche“ und „Scherze“ – insbesondere in der Redewendung „einen Schmaeh fueren“. Nach Peter Wehle wurde Schmaeh vom Jiddischen schem; „Erzaehlung“, „Gehoertes“ (eigentlich hebr;isch „hoere!“, vgl. Schema Israel) abgeleitet, waehrend Robert Sedlaczek eine Abstammung aus dem Rotwelschen annimmt, wo Schmee so viel wie „Gaunersprache“, „Luege“ und „feiner Witz“ bedeute.
oesterreichisch angesehene, gelegentlich auch als oberfl;chliche Freundlichkeit empfundene, charmante Grundhaltung, die besonders im Westen Oesterreichs den Wienern zugeschrieben wird […]“. Die Bezeichnung ist aus dem Wienerischen entstanden, in die Standardsprache ;bergegangen und findet in der Form Wiener Schmaeh auch in Deutschland Verwendung.
Rezeption
Wiener Schm;h wird bisweilen in Reisef;hrern mit „Wiener Charme“ gleichgesetzt, gilt aber aufgrund seiner Un;bersetzbarkeit auch als touristische Werbeaussage. Die Universit;t Wien besch;ftigte sich anl;sslich einer Ausschreibung des Jubil;umsfonds der Stadt Wien zum Thema Wien – Identit;t, Ged;chtnis, Kultur 2008 in dem Projekt „Das Wiener Sprachspiel in Aktion. ‚Schm;h‘ und ‚Tractatus‘ zwischen Wahrzeichen und Palimpsest“ mit dem Begriff. Der Schm;h setze eine „ironisch-zynische Distanzhaltung voraus “– nicht umsonst wird er oft in Zusammenhang mit dem „kulturell Fremden“ gef;hrt: „Entweder von den ‚Zuagrasten‘ selbst oder ;ber sie“. Bereits in der Reiseliteratur des 15. Jahrhunderts hie; es, dass die Wiener ein gem;tliches Volk seien, das dauernd singe und zu viel esse. Diese Zuschreibungen h;tten auch eine politische Dimension, da die Lebensmittelpreise deutlich niedriger als etwa in Berlin gewesen seien. Sabine M;ller (Literaturwissenschaftlerin) und Vr;;th ;hner (Medienwissenschaftler) nannten den Schm;h keinen Witz mit einer abgeschlossenen Pointe, der monologisch funktioniere, sondern vielmehr in der Interaktion bzw. im Dialog entstehe. Ein Schm;h w;rde „gef;hrt“ und sei „eine nicht immer bewusste, aber stets aktiv-offensive Handlung“.[5][6]
H;ufig wird der Wiener Schm;h mit dem Wienerischen gleichgesetzt. Er gilt als hintergr;ndig, indirekt und voller versteckter Anspielungen, oft auch als schwarzer Humor. Der Kabarettist Reinhard Nowak bezeichnete ihn als derb-liebenswerte und meist nicht ganz ernst gemeinte Form des Miteinanders. Josef Hader schloss Charme und eine gewisse Unfreundlichkeit nicht aus: „Wenn jemand charmant ist, dann w;re das ja fast langweilig, wenn da nicht ein bisserl eine Schlitzohrigkeit auch dabei w;re. Also jemand, der nur charmant ist, den w;rde man ja nicht aushalten. Das sind Geschwisterpaare, das Charmante und das Verlogene, die, behaupte ich jetzt einmal, ohne einander gar nicht existieren k;nnen.“[7] Das 25. Kabarettprogramm von Lukas Resetarits (2015) trug den Titel Schm;h.[8]
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