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B;renhaut
Auf der B;renhaut liegen: faulenzen, sich dem M;;iggang hingeben; mundartlich, ›oppe Boerehut ligge‹: sich ausruhen, nichts tun (nordostdeutsch). Wander bringt die Varianten: Die B;renhaut ist sein Unterbett, vom Faulenzer; Er mu; die B;renhaut umh;ngen: ein faules, tatenloses Leben f;hren.

Diese Redensart taucht zuerst im 16. Jahrhundert in humanistischen Kreisen auf und schlie;t sich an eine Stelle der damals neuentdeckten ›Germania‹ des Tacitus (Kapitel 15, 22) an. Die ersten Belege finden sich 1509 bei Heinrich Bebel (›Facetien‹), 1575 bei Johann Fischart (›Geschichtklitterung‹) und 1579 bei Ritter Hans von Schweinichen, auch wiederholt im ›Simplicissimus‹ – ›Auf der faulen B;renhaut liegen‹ (1, 256; 2, 81): durch Nichtstun korrumpiert werden. In scherzhafter Negation gebraucht Jean Paul die Wendung: » ... ebenso sind unsere Statuen keine m;;igen Staatsbuerger auf der Baerenhaut« (Titan 1, 43).

Allgemein bekannt geworden ist die Redensart wohl erst durch das Studentenlied ›Tacitus und die alten Deutschen‹ von A. Kunitz und W. Ruer, dessen 3. und 4. Strophe lauten:

Dem r;mischen Historiker d;rfte der Anblick von Kriegern im Fellkleid unter seinen eigenen Landsleuten nicht fremd gewesen sein. Die ›signiferi‹ (Feldzeichentr;ger) im kaiserlich-r;mischen Heer empfingen als Auszeichnung eine B;renhaut, ;ber Helm und Panzer gelegt (Keller, Antike Tierwelt 1, 180). Nicht nur unsere noch unkultivierten Vorfahren, auch andere Barbaren bedienten sich ihrer: Im ersten messenischen Kriege (8. Jahrhundert v. Chr.) fochten in B;renfelle geh;llte Arkadier als Bundesgenossen der bedrohten einheimischen Bev;lkerung gegen die auf dem Peleponnes vordr;ngenden Spartaner (Keller, a.a.O. 1,176).
Selbst als die skandinavischen ; Berserker ihr »B;renkleid«, das ihnen nach altem Glauben die St;rke des erlegten Tieres verlieh, abgelegt hatten, hielt man im Deutschland des ausgehenden Mittelalters bis zu einem gewissen Grade an altgermanischen Lebensgewohnheiten fest. Das B;renfell, Lagerst;tte, Zeltteppich u.a. galt noch im 15. und 16. Jahrhundert als n;tzliches Reiseutensil und unentbehrlich f;r Feldz;ge.

Wer aber auf der Baerenhaut nicht verschimmeln wollte (Johann Fischart, Gargantua 185a), fuerchtete doch die demoralisierenden Folgen eines allzu muessigen Lagerlebens. Solche Erfahrungen morgen auch eine Erklaerung sein fuer das Herabsinken des heroischen Kriegers der europaeischen Fruehgeschichte zu dem immer mehr verachteten Baerenh;uter der Moderne.

Die Schelte ›B;renh;uter‹ f;r einen Faulenzer und Nichtstuer, auch f;r einen ungepflegten Menschen, ist heute selten, war aber vom 16. bis 18. Jahrhundert sehr gel;ufig, wobei die im Deutschen W;rterbuch (I, Spalte 1128 f.) verzeichneten Belege teilweise die urspr;nglich nicht absch;tzige Vorstellung bezeugen: »b;renh;uter, du hast dich gehalten als ein resoluter kerl« (Insel Felsenburg I, 32).

In unseren Tagen bedeutet ›Er ist ein Baerenhaeuter‹: eigentlich nur noch Muessiggaenger, Strolch, Faulpelz, grob, ungehobelt. Zur Erklaerung des teuschgegebenen Schandnamens Baernhaeuter‹ erzaehlt Grimmelshausen 1670 die Geschichte ›Der erste Baernhaeuter‹.

;;;Was der Barockdichter, angeregt durch Tacitus, schuf, war eine Ehrenrettung des mit Mut und St;rke begabten ›B;renh;uters‹, dessen Pr;fungen die Leiden jener Zeit illustrieren. Zweifelsohne beeinflu;t von Grimmelshausen griffen Brentano und Arnim den dankbaren Stoff auf. Als Binnenerz;hlung in Arnims Novelle ›Isabella von ;gypten‹ erscheint die schauerlich-ironische ›Geschichte des ersten B;renh;uters‹, eines ungl;cklichen, zwiesp;ltigen Wesens. Obwohl gestorben, tritt er in den Gang der Handlung ein, zuletzt so verflucht, da; ihn sein Geiz bis zum J;ngsten Tag nicht zur Ruhe kommen lassen wird, im scharfen Gegensatz zum frommen, freigebigen Helden des nachmaligen (gleichnamigen) Grimmschen M;rchens (Kinder- und Hausm;rchen der Br;der Grimm 101).
;;;Ganz anders wirkt die possenhafte Heiterkeit in Uhlands Lustspiel ›Die B;renritter‹, dessen Inhalt sich auf die Formel ›Braut gegen B;renfell‹ bringen l;;t.

;;;Die B;renhaut verkaufen, bevor man den B;ren hat, oder ›Des B;ren Fell verkaufen, ehe der B;r gestorben ist‹: voreilig handeln, geht wohl auf den Schwank von den zwei reisenden J;gerburschen zur;ck, die ihrem Wirt versprachen, mit der Haut des noch unerlegten B;ren zu bezahlen. Schwank und Redensart sind international;  englisch ›to sell the skin before you have caught the bear‹. Fr;hbelege der Redensart finden sich in Thomas Murners ›Narrenbeschw;rung‹ von 1512 (V. 67):
 wie auch nicht K;lber kauffen, ehe die Kuh gek;lbert«. Vergleiche die Wendung ›F;r die Wiege sorgen, ehe das Kind geboren ist‹.
;;;Nordostdeutsch: ›Das B;renfell teilen, ehe er erlegt war‹: wenn Kinder vor dem Ableben der Eltern die Erbmasse an sich rei;en.
;;;An der B;renhaut sind noch Klauen: die Sache hat noch ihre Schwierigkeiten; wenn jemand etwas versprochen hat, was noch zu erringen ist; d;nisch ›Der er klo for bj;rneskindet‹.
 Er hat mich ermahnt, fortan das Fell des B;ren nicht zu verkaufen, ehe ich ihn gefangen h;tte (Aesopi Phrygis et aliorum fabulae, Venetiis, 1539, 45a).
;;;Weitere Bearbeitungen dieser Fabel finden sich bei Joachim Camerarius in seiner zuerst 1538 erschienenen Fabelsammlung; dann in deutscher Sprache bei Hans Wilhelm Kirchhoff in dem 87. St;ck seines ›Wendunmuth‹ (1563). Bei La Fontaine (livre V, fable 20):

»Ein Fell man nicht zu Markte tr;gt,
;;;Bevor den B;ren man erlegt!«

Auf La Fontaine beruht schlie;lich die Version von Hagedorns Fabel ›Die B;renhaut‹. Auch Burkard Waldis kennt die Fabel von der leichtfertig verkauften B;renhaut. Dies geht aus einer Anspielung in dem 88.
St;ck des IV. Buches des ›Esopus‹ hervor, wo die Moral beginnt:
;;;Die Haut soll man zu Marckt nit tragen.
;;;Man hab denn erst den Beren geschlagen.
In Hans Sachsens Meistergesang vom Neujahrstag 1536 hei;t es von einem frechen J;ger im Schwabenland, der im Wald einen B;ren gesehen hat:
;;;Nein in Marck det lauffen
;;;Und det die Hawt verkauffen,
;;;Halff auch den Leitkauff sawffen,
;;;E er den Peren stach.
Eine merklich abweichende Variante der Erz;hlung kennt Luther. Schon 1520 sagt er in dem gro;en Sermon von dem Wucher (W.A. VI, 56): »Doch wollen itzt die reyche Kauffleut yhrs Geldis Gluck, und dasselb eytell on Ungluck, darzu anderer Leut Willen und Mut vorkauffen, on wilchen es leytt, ob sie vorkauffen wollen, das heyst die dreytzehende Bern Haud vorkaufft«: durch Verzicht auf angebotene Grundst;ckshypotheken den Kredithaien eine unerwartete, herbe Entt;uschung bereiten (jemanden die Rechnung ohne den Wirt machen lassen).
;;;Eine sp;testens im 14. Jahrhundert und wahrscheinlich im Englischen entstandene Variante setzt an die Stelle des B;ren den L;wen; so auch noch bei Shakespeare (›K;nig Heinrich V.‹, IV, 3):
;;;The man, that once did sell the lion's skin
;;;While the beast liv'd, was kill'd with hunting him.





Baerenhaut, die abgestreifte Haut des Baeren (s.d.). Da die Baerenhaeute bei den alten Deutschen die Stelle der Betten u. Polster versahen, so heisst [325] auf der B. liegen, so v.w. muessig sein, zu Haus liegen u. nicht an Maennerthaten, Krieg etc.,… …   Pierer's Universal-Lexikon



Baerenhaut — 1. Man muss die Baerenhaut nicht eher verkaufen, bis man den Baeren hat.

Baerenhaut — Ausschnitt aus fol. 8v der „Baerenhaut“: Koenig Konrad III., Herzog Leopold von Bayern, Hadmar I. von Kuenring Das Stifterbuch des Klosters Zwettl, genannt Baerenhaut, lateinisch Liber fundatorum zwetlensis monasterii, ist eine Handschrift, die zu… …   Deutsch Wikipedia

Baerenhaut —  Baerenfell ; sich auf die Baerenhaut legen, auf der Baerenhaut liegen ;fig.; faul sein, faulenzen (ugs. abwertend; faulenzen, faul sein; in Humanistenkreisen des 16. Jh …   Universal-Lexikon

Baerenhaut — Baerenhaut die; meist in auf der Baerenhaut liegen gespr pej ; nichts tun, faulenzen … 

Baerenhaut, die — Die Baerenhaut, plur. die Haeute, die Haut von einem Baeren. Auf der Baerenhaut liegen, figuerlich, muessig sein, sich durch Muessiggang verzehren … 
 
Baerenhaut — Baerenhautf
1.sich auf die Baerenhaut legen =sich schlafen legen;
sich dem Muessiggang hingeben.



Auf der Baerenhaut liegen —   Die Redewendung beruht auf einer alten uebertreibenden Ausschmueckung der Lebensgewohnheiten der alten Germanen, wie sie der roemische Geschichtsschreiber Tacitus (um 55 bis nach 115 n. Chr.) in seiner »Germania« (Kapitel 15) schildert. Sie findet …   Universal-Lexikon

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Es lagen die alten Germanen (Heil Hitler)
Volkslieder » Politische Lieder


 
Es lagen die alten Germanen
zu beiden Ufern des Rheins,
Sie lagen auf B;renh;uten
und soffen immer noch eins.
Da trat in ihre Mitte
ein R;mer mit eitlem Gru;:
Heil Hitler, Ihr alten Germanen
ich bin der Tacitus.

Da hoben die alten Germanen
zum deutschen Gru; die Hand:
Heil Tacitus, Bruder der Achse,
Du bist uns artverwandt.
Nun trat in ihre Mitte
ein alter Araberscheich,
Der sprach zu den alten Germanen:
Wann kehren wir heim ins Reich?

Da rief der Schah von Persien:
Erst sind mal wir an der Reih,
Wir Indogermanen aus Asien,
Verwandte von Goebbels und Ley.
Da sagten die alten Germanen,
das machen wir doch gleich,
Ihr braucht nicht mehr lange zu warten,
Dann kommt Ihr ins Gro;deutsche Reich.

Da trat in ihre Mitte
der Bock von Babelsberg,
Er hatte ne gro;e Klappe
von Wuchs war er ein Zwerg.
Er sprach zu den alten Germanen
und gr;;te mit „Sieg Heil“,
Da wurden die alten Germanen
mit einem Male so …lustig.

Es lagen die alten Germanen
zu beiden Ufern des Rheins,
Sie lagen auf B;renh;uten
und soffen immer noch eins,
Sie soffen noch zwei, noch drei, noch vier,
Sie soffen unendlich viel Lagerbier,
Sie soffen noch f;nf, noch sechs
noch sieben, noch acht:
Sie soffen die ganze Nacht.

Text: Verfasser unbekannt: Parodie von M;nsteraner Studenten (siehe unten) w;hrend der NS-Zeit auf das ;beraus popul;re Sauflied „Auf Deutschlands hohen Schulen“ nach Wilhelm Ruer von 1872, das  bereits vielfach umgedichtet worden war. Allen Varianten gemeinsam war die Zeile „Und tranken immer noch eins“.


 
Geschichte dieses Liedes: Auf Deutschlands hohen Schulen, Und tranken immer noch eins
Liederthema: Politische Lieder, Studentenlieder, Trinklieder
Liederzeit: 1933-1945 Nationalsozialismus (1939)
Schlagwort: Antisemitismus | Hitler | Schule |

Anmerkungen zu "Es lagen die alten Germanen (Heil Hitler)"
Diese Parodie wurde innerhalb der  Katholischen Studentenvereinigung Monasteria in M;nster gesungen. Der „Bock von Babelsberg“ ist Propagandaminster G;bbels, Ley ist Robert Ley.

Die nicht-farbentragende und nicht-schlagende Verbindung verstand sich dabei durchaus als Gegner des NS-Staates: „Wir Abiturienten des Jahrganges 1939, die wir vom Elternhaus und von der Schule her nicht mit dem nationalsozialistischen Gedankengut infiziert waren und uns als Gegner des NS-Wesens f;hlten und gaben, konnten uns eine Studienzeit im Zwang eines NS-Studentenbundes nicht vorstellen. (Webseite Markomannenwiki, 25.1.18)

Wom;glich nahmen die M;nsteraner Monasteria-Studenten Bezug auf Ereignisse, die in diesem taz-Artikel geschildert werden: Demnach haben sich in den 30er Jahren Inder und Afghanen auf ihre arischen Wurzeln berufen und sich dabei als Arier verstanden: Dennoch wurden Gaststudenten von „einem braun uniformierten Schl;gertrupp bedroht und geschlagen. Die SA-Leute drangen in den Garten der afghanischen Studentenschaft ein und p;belten die Bewohner des Heimes an. Auch iranische und indische Studenten klagten ;ber ;bergriffe, bis das Ausw;rtige Amt, unterst;tzt von den Verb;nden der Exportwirtschaft, bei der Reichsleitung der NSDAP um eine M;;igung der Rassenpropaganda bat.

F;hrende Nationalsozialisten gaben eine amtliche Stellungnahme ab, „dass es rassische Diskriminierung im Deutschen Reich nur f;r Juden geben d;rfe. Mit allen anderen Rassen und V;lkern wolle das „neue Deutschland“ freundschaftlich und mit gegenseitiger Hochachtung umgehen, solange es dabei nicht zu Mischehen komme.“ (Jan Kuhlmann, taz, 13.1.2003)

Eine neo-nazistische Weiterdichtung dieser Parodie in  einem Liederbuch eines FP;-Politikers hat im Januar 2018 in ;sterreich f;r einen Skandal gesorgt. Die Burschenschaft des nieder;sterreichischen FP;-Spitzenkandidaten Landbauer verherrlicht in einem Liederbuch den Holocaust! „Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion / Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million“.  (Die S;ddeutsche am 24.1.2018)

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Mehr im Volksliederarchiv:
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Und tranken immer noch eins F;r die Bierzeitung der Leipziger Burschenschaft Dresdensia dichtete Wilhelm Ruer (geb. 1848) das Lied "Tacitus und die alten Deutschen": An einem Sommerabend Im Schatten des heiligen Hains, Da lagen auf B;renh;uten Zu beiden Ufern des Rheins Verschiedene alte Germanen.... von denen es in der Schlu;strophe noch einmal hei;t: Sie liegen auf B;renh;uten…
An einem Sommerabend (Tacitus und die Germanen) An einem Sommerabend im Schatten des heiligen Hains, da zechten die alten Deutschen auf beiden Ufern des Rheins Und sieh, des Wegs von ferren ein R;mer kam zu Fuss; der sagte: “ Meine Herren mein Nam‘ ist Tacitus. Von Ihres Landes Sitten schreib‘ ich eine Biographie, drum wollte ich Sie…


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