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Es gibt immer wieder Begriffe, die fast jeder verwendet – ohne sie aber wirklich zu verstehen.
Auf Augenh;he – was ist das eigentlich? Immer wieder wird es verlangt, um eine ordentliche Konversation in Gang zu bringen. Es geht nicht nur um eine einfache Plauderei, nicht um ein Geschw;tz oder um ein Drumherumgerede. „Auf Augenh;he“, das hei;t, das Gespr;ch ernsthaft zu betreiben, ernst zu nehmen, den Partner oder die Partnerin zu nehmen, wie er oder sie ist: gewichtig und gleichbedeutend.
Es ist nicht leicht, Konversation mit jenen zu treiben, denen man nicht abnimmt, ebenb;rtig zu sein. Ebenb;rtig: Das hei;t gleichbedeutend, das hei;t aber auch, dem anderen nicht unterlegen zu sein und schon gar nicht ;berlegen. Das hei;t eben, sich nicht schw;cher zu f;hlen und auch nicht st;rker. Der, mit dem wir in solchen F;llen sprechen, ist in jeder Hinsicht ebenb;rtig.
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Es hat eine Zeit gegeben, da waren f;r geistreiche Gespr;che gelegentlich Formeln und Schlagworte notwendig, die heute zwar nicht ausgestorben sind, aber nur mehr selten gebraucht werden. Sie zeigten, dass Menschen, von denen sie verwendet wurden, wussten, was sie sagen wollten. Eines von den W;rtern, die man auch als „Schlagworte“ bezeichnen kann, ist Nachhaltigkeit. Noch vor wenigen Jahren ist dieser Begriff nicht ;blich gewesen, im Gegenteil: Man hat noch nicht einmal gewusst, was Nachhaltigkeit bedeutet. Heute ist das Wort oft nichts anderes als der Versuch eines Beweises, dass man mit der Zeit geht.
So ist es auch mit der „Augenh;he“. Fr;her hat man nicht gewusst, was darunter zu verstehen sei. Heute kann man „auf Augenh;he“ immer wieder Konversation betreiben, ohne genau zu wissen, was darunter zu verstehen ist. „Die Kommunikation auf Augenh;he ist die Abbildung von Gleichstellung“, lese ich. Das kann „f;r die Intelligenz, f;r Bildung, wie auch f;r eine finanzielle Ebene gelten“. Freilich k;nne auch der Blick auf den Marktwert gemeint sein. Andererseits k;nnte man auch an die intellektuelle Augenh;he denken. „So muss ich mich also mit meinem Gegen;ber umfassend unterhalten, diskutieren und philosophieren k;nnen. Gibt es ein Intelligenz- oder Bildungsgef;lle, sind h;ufig Konflikte oder Beziehungsdifferenzen vorprogrammiert.“
Wenn die „Augenh;he“ nicht stimmt, ist die Konsequenz eine der Respektlosigkeit. Oft glaubt er sich dann auch unterlegen. „Damit entstehen Machtspielchen und verdeckte Kommunikation, und diese schadet der Beziehung und der Gesundheit“.
Die Kommunikation auf Augenh;he wirkt sich dann auch entsprechend auf den F;hrungsstil, auf Teams oder auch in Projekten aus. Ebenso starke Auswirkungen hat das in einer Kunden-Lieferantenbeziehung. „Scheint es so, als ob eine Schieflage in der Wertigkeit und der gegenseitigen Wertsch;tzung entsteht, kann das Gesch;ft platzen. So kann schlie;lich ein Projekt scheitern, das Team bricht auseinander oder der Auftrag mit dem Kunden kommt nicht zustande.“
Die Frage, ob der Begriff „auf Augenh;he“, der jetzt so h;ufig verwendet wird, all solchen Definitionen standh;lt, ist kaum jemandem klar, der ihn gebraucht. Die meisten, die ihn verwenden, haben ihn geh;rt und nehmen an, dass er richtig ist. Dass es auf den Zusammenhang ankommt, ist egal. Hauptsache, es klingt gut. Ob der Zusammenhang passt, sollen die H;rer bestimmen. Aber die meisten verstehen ihn auch nicht.
Der Autor war langj;hriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
E-Mails an: thomas.chorherr@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2018)
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