Ich liebe es, mit Steinen zu sprechen
Ich liebe es, mit Steinen zu sprechen,
Im Vergleich zu mir – was sahen sie nicht!
Ich mag es, ihr Schweigen mit Fragen zu brechen,
Wenn tief in mir selbst ein Suchen erwacht.
Sie sahen einst Seneca, Rom und die Cäsaren,
Das Kolosseum im staubigen Licht.
Was für uns fern in verblichenen Jahren,
Ist für den Stein nur ein Augenblick Sicht.
Sie hörten, was einst Heraklit uns verkündet,
Der uns vom Ur-Licht so vieles erzählt.
Doch jene, in denen kein Wissen sich zündet,
Haben ihn „dunkel“ und „fremd“ nur gewählt.
Sie hörten den Chor, der von Reichen besessen,
Vom „Dritten Rom“ sang, von Macht und vom Sieg,
Doch haben im Gulag sie Kreuze vergessen,
Die stürzten, als Glaube in Trümmern erlag.
Die Steine sind Zeugen von Schuld und Verbrechen,
Von Irrtümern, die durch die Ewigkeit weh’n.
O könnten sie laut nur zu uns doch sprechen –
Was würden wir alles durch sie erst versteh’n!
Doch sind wir gezwungen, nach innen zu blicken,
Zu suchen die Wahrheit im eigenen Schacht.
Mit Augen, die nur einen Herzschlag lang ticken,
Bevor sie versinken in menschlicher Nacht.
Ich liebe es, mit den Steinen zu reden,
Nur eines verwirrt mich bei jedem Wort:
Im Vergleich zu uns kurzem, vergänglichem Leben
Bleibt ihr Dasein ein ewiger, stummer Ort.
2018
Свидетельство о публикации №120091503858