Wie kurz sind doch die Lebensjahre

                Für die L.G.

Wie kurz sind doch die Lebensjahre!
Auch wenn die Zahl bei 80 liegt.
Von der Geburt bis hin zur Bare
In Ewigkeit das gar nichts wiegt.

Denn 80 Jahre voller Mühe,
Voll Arbeit, Sorgen, Hunger, Not,
Mit Haushalt, Garten, Kinder, Kühe.
Wie schwer verdient war doch das Brot!

Du hattest schon als Kind zu leiden
Und kanntest Einsamkeit und Schmerz.
Von deiner Mutter frühes Scheiden
Brach dir dein kleines Kindesherz.

Dein Vater war so weit im Osten
Aus einem nicht geringen Grund,
Das durfte ihm die Freiheit kosten,
Er wurd` behandelt wie ein Hund.

Als Deutscher musste er viel leiden,
Denn alle Deutschen litten sehr,
Doch leider war s nicht zu vermeiden,
Und seine Frau erkrankte schwer.

Sie konnte nicht dem Tod entkommen.
„O,  Gott, was machen wir denn bloss?
Jetzt müsste doch der Vater kommen!“
Die Trauer war so furchtbar gross.

Der Herr, Der beisteht allen Weisen,
Die zu Ihm flehen in der Not,
Er konnte euch auch weiter speisen
Und gab euch euer Täglich Brot.

Da kam der Vater endlich wieder
Und nahm sich eine neue Frau.
Sie blühte noch wie weisser Flieder,
Doch wurde schnell ihr Leben rau.

Sie hatte längst mehr keine Eltern,
Kein eignes Bett, kein eignes Haus;
Bei Hitze, Regen, Schnee und Kälte
Musste sie stets zur Arbeit raus.

Sechs Kinder kamen noch als Segen,
Zu den fünf anderen dazu.
Doch machte bald, der Krankheit wegen,
Der Tod auch ihre Augen zu.

Nun sind es fünfundvierzig Jahre
Seit ihrem Tod verweht vom Wind.
Grau sind all ihrer Kinder Haare,
Doch alle noch am Leben sind.

Nur von den älteren fünf Weisen
Sind zwei gegangen aus der Welt,
Um Jesus ewig zu lobpreisen,
Der uns ja noch am Leben hält.

Gelobt sei Gott hier auf der Erde,
So wie im Himmel, für und für.
Er hütet treulich Seine Herde,
Durch Seine Gnad sind alle hier.

Die Zeit ist uns hier nur geliehen
Und Winde schnell ist sie dahin;
Dem bitt`ren Tode zu entfliehen,
Kam vielen Menschen in den Sinn.

Doch keinen gab s, der s wirklich schaffte,
Als Mensch, dem Tode zu entge`n.
Von Jahr zu  Jahr so fleissig raffte
Er alle Menschen, und sie geh`n.

Er wird s, bestimmt so weiter machen,
Bis Gott ihm sagen wird: es reicht!
Doch wir, wir müssen ständig wachen
Und das ist ganz bestimmt nicht leicht.

Du machst dir  furchtbar viele Sorgen
Um dein geliebtes Fleisch und Blut,
Um deine Kinder,  heut` und morgen
Und hoffst: vielleicht wird alles gut.

Du kannst alleine gar nichts ändern,
Auch wenn du weinst hier Tag und Nacht.
Denn was zerfällt, ist nicht mit  Bändern
Mehr fest zu binden, nicht mit Macht.

Es gibt unzählig viele Gründe,
Sich aus dem Wege hier zu gehen,
Wenn ohne Gott man lebt in Sünde
Und sich nicht länger will verstehen.

Wie kann ein Mutterherz das tragen
Und tun, als wäre alles gut?
Wie soll es denn nicht bitter klagen?
Wie ist s dem Mutterherz zumut?

Was kannst du mehr den Kindern geben,
Denn du bist traurig, schwach und alt?
Auf Erden  geht zum End dein Leben,
Das Scheiden kommt vielleicht schon bald.

Doch haben grosse Kraft und Segen
Gebete, die du bringst dem Herrn.
Sie sind wie warmer Sommerregen
Für deine Kinder, tu es gern.

Dich wird’s vielleicht bald nicht mehr geben,
Dein Leib wird endlich müssen Ruhen,
Doch die Gebete werden leben,
Ihr Werk an deinen Kindern tun.

Gott zählt all deine bitteren Tränen,
Nichts geht bei Ihm verloren je.
Auch kennt Er deines Herzens Sehnen,
Es tut auch Seinem Herze weh.

Ihm tut es weh, dass du musst leiden,
Er weiss auch, wie s dir heute geht:
Sehr vieles war nicht zu vermeiden,
Fürs meiste ist es schon zu spät.

Doch eins wünsch ich dir noch von Herzen:
Bleib treu dem Heiland bis ans End`.
Er lindert deiner Seele Schmerzen,
Du bist Sein heissgeliebtes Kind.

Und glaub: dein Fleisch und Blut wird leben,
Die Kinder, deines Leibes Frucht.
Auch ihnen wird Bekehrung geben
Der Herr, der das Verlorene sucht.

Vieleicht wirst du s nicht mehr erleben,
Dass alle deine Kinder hier
Dem Herrn ihr Schicksal übergeben,
Für die Gebete danken dir.

Gott segne alle deine Tage,
Die du noch hier zu leben hast.
Er tröste dich und Er dich trage,
Dich und all deine schwere Last.


Juli 2013














 
 







 







 


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