Р. М. Рильке. Элегия Марине Цветаевой-Эфрон

Борис Рубежов Пятая Страница: литературный дневник

Elegie


an Marina Zwetajewa-Efron


O Die Verluste ins All, Marina, die stuerzenden Sterne!
Wir vermehren es nicht, wohin wir uns werfen, zu welchem
Sterne hinzu! Im Ganzen ist immer schon alles gezaehlt.
So auch, wer faellt, vermindert die heilige Zahl nicht.
Jeder verzichtende Sturz stuerzt in den Ursprung und heilt.


Waere denn alles ein Spiel, Wechsel des Gleichen, Verschiebung,
nirgends ein Name und kaum irgendwo heimisch Gewinn?
Wellen, Marina, wir Meer! Tiefen, Marina, wir Himmel.
Erde, Marina, wir Erde, wir tausendmal Fruehling, wie Lerchen,
die ein ausbrechendes Lied in die Unsichtbarkeit wirft.


Wir beginnens als Jubel, schon uebertrifft es uns voellig;
ploetzlich, unser Gewicht dreht zur Klage abwaerts den Sang.
Aber auch so: Klage? Waere sie nicht: juengerer Jubel nach unten.
Auch die unteren Goetter wollen gelobt sein, Marina.
So unschuldig sind Goetter, sie warten auf Lob wie die Schueler.


Loben, du Liebe, la; uns verschwenden mit Lob.
Nichts gehoert uns. Wir legen ein wenig die Hand um die Haelse
ungebrochener Blumen. Ich sah es am Nil in Kom-Ombo.
So, Marina, die Spende, selber verzichtend, opfern die Koenige.
Wie die Engel gehen und die Tueren bezeichnen jener zu Rettenden,
also ruehren wir dieses und dies, scheinbar Zaertliche, an.


Ach wie weit schon Entrueckte, ach, wie Zerstreute, Marina,
auch noch beim innigsten Vorwand. Zeichengeber, sonst nichts.
Dieses leise Geschaeft, wo es der Unsrigen einer
nicht mehr ertraegt und sich zum Zugriff entschlie;t,


raecht sich und toetet. Denn da; es toedliche Macht hat,
merkten wir alle an seiner Verhaltung und Zartheit
und an der seltsamen Kraft, die uns aus Lebenden zu
Ueberlebenden macht. Nicht-Sein. Weisst du’s, wie oft
trug uns ein blinder Befehl durch den eisigen Vorraum


neuer Geburt . . .Trug: uns? Einen Koerper aus Augen
unter zahllosen Lidern sich weigernd. Trug das in uns
niedergeworfene Herz eines ganzen Geschlechts. An ein Zugvogelziel
trug er die Gruppe, das Bild unserer schwebenden Wandlung.


Liebende duerften, Marina, duerften soviel nicht
von dem Untergang wissen. Muessen wie neu sein.
Erst ihr Grab ist alt, erst ihr Grab besinnt sich, verdunkelt
unter dem schluchzenden Baum, besinnt sich auf Jeher.
Erst ihr Grab bricht ein; sie selber sind biegsam wie Ruten;


was uebermaessig sie biegt, ruendet sie reichlich zum Kranz.
Wie sie verwehen im Maiwind! Von der Mitte des Immer,
drin du atmest und ahnst, schlie;t sie der Augenblick aus.
(O wie begreif ich dich, weibliche Bluete am gleichen
unvergaenglichen Strauch. Wie streu ich mich stark in die Nachtluft,


die dich naechstens bestreift.) Fruehe erlernten die Goetter
Haelften zu heucheln. Wir in das Kreisen bezogen
fuellten zum Ganzen uns an wie die Scheibe des Monds.
Auch in abnehmender Frist, auch in den Wochen der Wendung
niemand verhuelfe uns je wieder zum Vollsein, als der
einsame eigene Gang ueber der schlaflosen Landschaft.


Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Muzot, 8. Juni 1926)



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